Arthrokinematik

Kreuzschmerzen (Low Back Pain) gelten als einer der häufigsten Gründe für Arbeitsausfälle weltweit. Neben chronischen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen können sie zu sozialer Isolation und Armut führen. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung sind von grosser Bedeutung. Arthrokinematik ist eine einfach zu lernende Methode, mit der die Beckenringfunktion überprüft, bei Bedarf behandelt und stabilisiert werden kann. Die Methode ist ungefährlich und kann in jedem Alter angewandt werden, von der Kindheit bis ins hohe Alter. Speziell auch Schwangere und Gebärende können davon profitieren.

2018 hat sich eine Gruppe von Professorinnen und Professoren im Bereich Bewegungsapparat (Rheumatologie, Orthopädie) zusammengetan, von Canada bis Australien. Ihre Publikationen belegen, dass aufgrund fehlender Wirksamkeit, hoher Kosten und Risiken, weniger häufig bildgebende Verfahren durchgeführt und zurückhaltend mit Schmerzmitteln, Infiltrationen, Injektionen und Wirbelsäulen-Operationen umgegangen werden soll. Eine ausführliche Beratung hinsichtlich Lebensführung und Verbleiben im Beruf, physiotherapeutische Betreuung und manuelle Behandlungen werden empfohlen.

Kreuzschmerz hat sehr viel mit der Funktion der Beckenring-Gelenke zu tun. Die beiden Sacro-Iliakal-Gelenke und die Symphyse interagieren derart direkt miteinander, dass von einem Ringsystem gesprochen werden kann (Beckenring). Liegt eine Dysfunktion in einem oder mehreren dieser Beckengelenke vor, wird auch die im Kreuzbein ruhende Wirbelsäule betroffen. Vorbestehende Schwachstellen wie Skoliosen, Diskushernien (Bandscheibenprobleme) oder Fehlhaltungen schmerzen umso mehr. Die Beckenringgelenke können manuell rasch und sicher untersucht und behandelt werden. Die arthrokinematische Methode ist speziell bei Früherfassung der Beckenringdysfunktion sehr effizient. Bei Kindern und Jugendlichen genügen oft ein bis zwei Behandlungen. Je chronischer die Situation und je älter die betroffenen Personen sind, umso mehr Geduld braucht die Heilung. Aber auch hier kann in den allermeisten Fällen ein komplett stabiler Beckenring und damit eine deutliche Reduktion der Beschwerden erreicht werden.

 

Besonders häufig betroffen sind folgende Gruppen:

  • Kinder und Jugendliche (Skoliosen, asymmetrische Gangmuster)
  • Schwangere, Gebärende, Wöchnerinnen mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen
  • Sportlerinnen und Sportler mit asymmetrischem Bewegungsmuster

Beckenring-Dysfunktionen können zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, vor allem Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und mühsame Geburten.

Für eine Beckenring-Dysfunktion typische Schmerzen sind:

  • Chronische einseitige Schmerzen in den Bereichen Schulter, Hüfte, Knie und Fuss
  • Chronische Kreuzschmerzen (Low Back Pain), Rückenschmerzen, Spannungskopfschmerzen
  • Postoperative, unklare, meist einseitige Schmerzen in Kreuz, Symphyse, Unterbauch, Beine, Schultern und Nacken
  • Einseitige Unterbauchschmerzen
  • Schmerzen beim Sitzen auf harten Stühlen, beim Reiten
  • Schmerzen beim Minnen (Dyspareunie: Schmerzen bei der Sexualität)
  • Probleme mit der Innervation von Beckenorganen: Drangblasenprobleme, Harnröhrenschmerzen, Darmträgheit, Dauererregung
  • Fruchtbarkeitsverminderung, Zyklusstörungen

Für eine Beckenring-Dysfunktion typische Bewegungseinschränkungen sind:

  • Einseitiges Schonhinken
  • Mühe, sich zu bücken, sich hinzusetzen
  • Mühe, sich aufzurichten, vom Sitzen aufzustehen

 

 

Funktionsweise des Beckens