Diagnostik Beckenringdysfunktion (Pelvic Joint Dysfunction)

Beckenringdysfunktionen können wie die meisten medizinischen Erkrankungen schon durch genaues Fragen und Zuhören eingegrenzt werden. Die häufigsten Beschwerdebilder sind Schmerzen im und um den Beckenring, Bewegungsstörungen durch die asymmetrische Stellung des Beckens und damit einseitige Belastung aller Gewicht-tragenden Gelenke und Innervationsstörungen der Beckenorgane (viszerale Beschwerden).

Die Ursache der Beckenringdysfunktion ist nicht immer klar. Manchmal steht am Anfang eine Geburt, ein Sturz, ein Ausrutschen oder das lange Liegen auf dem Gynäkologie-Stuhl oder dem Operationstisch, oft aber ist kein spezieller Beginn mehr ersichtlich.

Wird eine Beckenringdysfunktion vermutet, kann sie manuell, ohne bildgebende Verfahren, genügend verlässlich abgeklärt werden. Da weder die Diagnostik noch die Therapie belastend oder gefährlich ist, empfehlen wir die arthrokinematische Methode, um im Nachhinein, nach Erreichen eines ligamentär und muskulär stabilen Beckenrings, zu beurteilen, inwieweit die ursprünglichen Beschwerden noch vorhanden sind. Durch dieses lösungsorientierte Vorgehen erweitert und vertieft sich die Liste der durch eine Beckenringdysfunktion verursachten Beschwerdebilder fort zu.

 

Diagnostische Tests:

Die beiden manuellen Tests „Vorlaufphänomen“ und „Beinlängendifferenztest“ haben eine hohe Verlässlichkeit (reliability), wenn das Leitsymptom „asymmetrische Beweglichkeit der Sakroiliakalgelenke“ betrachtet wird. Die asymmetrische Beweglichkeit des Beckenrings korreliert direkt mit den Beschwerden und dem Behandlungserfolg. Die früher übliche Diagnostik eines einzelnen Gelenkes (Sakro-Iliakal-Gelenk-Blockade, Symphysen-Lockerung) wurde zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung des Beckenrings als einer dreigelenkigen Funktionseinheit verlassen.

Gelenksfunktionsstörungen sind weder im Ultraschall noch im CT, MRI oder der Szintigraphie sichtbar. Dies kann, vor allem im versicherungstechnischen Umfeld, zu grossem Leid der Betroffenen führen.  Zu Unrecht werden Betroffene immer mal wieder mit dem Etikett „psychosomatisch“ bis hin zu „nicht kooperativ“ aus Versicherungsleistungen ausgeschlossen, da die Funktionsstörung mit den heute üblichen visuellen Mitteln nicht beweisbar ist. Das neu sich etablierende funktionelle MRI wird hier eventuell eine Verbesserung bringen.