Diagnostik Beckenringdysfunktion (Pelvic Joint Dysfunction)

Beckenringdysfunktionen können oft durch genaues Fragen und Zuhören eingegrenzt werden. Typische Beschwerdebilder sind Schmerzen im und um den Beckenring, Bewegungsstörungen im Achsenskelett (Wirbelsäule, Hüften, Knie, Fussgelenke, Füsse) durch die asymmetrische Stellung des Beckens und Innervationsstörungen der Beckenorgane (viszerale Beschwerden wie Reizblase, Obstipation, Fruchtbarkeitsverminderung).

Die Ursache einer Beckenringdysfunktion ist nicht immer klar. Manchmal steht am Anfang eine Geburt, ein Sturz, ein Ausrutschen oder das lange Liegen auf dem Gynäkologie-Stuhl oder dem Operationstisch, oft aber ist kein spezieller Beginn mehr ersichtlich.

Wird eine Beckenringdysfunktion vermutet, kann sie manuell ohne bildgebende Verfahren genügend verlässlich abgeklärt werden. Weder die Diagnostik noch die Therapie ist belastend oder gefährlich. Bei einer bestehenden Beckenringdysfunktion lohnt es sich, als erstes den Beckenring in die physiologische Position und Stabilität zu  bringen, denn mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% bis 99% sind sogenannt unspezifische Ursachen vorhanden. Bei stabilem Beckenring verschwindet recht genau dieser Prozentsatz der Beschwerden innert weniger Monate. 

 

Diagnostische Tests:

Wir verwenden zwei bekannte manualmedizinische Tests: das Vorlaufphänomen im Stehen und im Sitzen wie auch den Beinlängendifferenztest. Zusätzlich legen wir grossen Wert auf die Erfassung des Höhenstandes der Crista iliaca (Beckenkamm-Höhen-Test), ebenfalls im Stehen und im Sitzen, um eine anatomische Beinlängendifferenz von einer Pseudo-Beinlängendifferenz unterscheiden zu können. Sowohl bei einer Dislokation eines Sacro-Iliakal-Gelenkes als auch bei einer anatomischen Beinlängendifferenz steht einseitig eine Crista iliaca (Beckenkamm) höher als die andere. Bei einer anatomischen Beinlängendifferenz wird im Sitzen mit frei schwingenden Beinen keine Dislokation mehr vorhanden sein, bei einer Dislokation jedoch schon.

Die manuellen Tests haben eine hohe Verlässlichkeit, wenn das Leitsymptom „asymmetrische Beweglichkeit der Sakroiliakalgelenke“ betrachtet wird. Die asymmetrische Beweglichkeit des Beckenrings korreliert direkt mit den Beschwerden und dem Behandlungserfolg.

Gelenksfunktionsstörungen sind weder im Ultraschall noch mittels CT (Computer-Tomographie), MRI (Magnet-Resonanz-Imaging) oder Szintigraphie sichtbar. Dies kann zu grossem Leid der Betroffenen führen, da keine Diagnose gestellt werden kann. Die Betroffenen bleiben auf sich gestellt und können als psychisch krank oder als Schwindler etikettiert und geschädigt werden.